Eine Lesepredigt von Pastor Cordes gehalten am 30.10.2016

Liebe Gemeinde

Sie finden die Predigt vom 30.10.2016 von Pastor Codes.

Und am Ende jedes Gottesdienstes steht der Segen.

 

Predigten

Auf den ersten Blick ist er nur ein kleines Stück Plastik, in den ein noch etwas kleineres Stück Papier eingeschweißt ist. Wenn man genauer hinsieht, erkennt man: es ist besonderes Papier – mit Holgrammen, Wasserzeichen, Silberstreifen und manchen anderen Finessen.

Trotzdem ist es ein starkes Stück Papier. Es beweist jedem, der mich nicht kennt, dass ich der bin, der ich angeblich bin. Es bestätigt meinen Namen. Es bürgt für mein Geburtsdatum und dafür, dass ich einen festen Wohnsitz habe.

Und: es eröffnet mir viele Möglichkeiten: In der Bank brauche ich es, wenn ich ein Konto eröffne, bei der Wahl musste ich es vorzeigen, weil der Wahlhelfer mich nicht kannte, ja sogar als Pfand taugt es: Geld vergessen. Kein Problem, solange ich meinen Personalausweis zurücklasse.

Denn um den geht es: Meinen Personalausweis, der mich als Bundesbürger erkennbar macht und damit für die vielen Rechte und Vorrechte steht, die man ebenso hat, wenn man Bürger unseres Landes es ist. Bürgerrechte, die so weit gehen, dass ich meine Meinung frei äußern und morgen in Spanien und nächste Woche in Schweden leben dürfte.

Bürgerrechte, die mir die Sicherheit geben, dass meine Post nicht geöffnet, meine Wohnung nicht heimlich verwanzt wird. Und wenn es komisch liefe, könnte ich in einem Jahr Bundespräsident sein. So weit reicht mein Recht als deutscher Staatsbürger.

Vorausgesetzt, ich kann mich im entscheidenden Moment ausweisen. Als Bürger mit allen Rechten, die dazu gehören.

Diese lange Liste im Kopf habe ich mich gefragt, worin wohl meine Bürgerrechte im Himmel bestehen könnten, von denen Paulus spricht.

Bürgerrechte, die ihm so wichtig sind, dass er sein Recht als römischer Bürger diesem Bürgerrecht im Himmel gegenüber deutlich geringer einschätzt und klar sagt: Leute, nehmt Eure Heimat auf der Erde nicht zu wichtig: „Unser Bürgerrecht ist im Himmel.“

Um einer Antwort näher zukommen, habe ich mir meinen Personalausweis etwas genauer angesehen und mich gefragt, wie solch ein Ausweis wohl für einen Bürger des Himmels aussehen müsste. Was der Personalausweis eines Himmelsbürgers über ihn aussagen könnte.

Als erstes ist mir die Überschrift auf meinem Personalausweis aufgefallen, die tatsächlich so lautet: Bundesrepublik Deutschland.

Zwei Worte, mit denen sich ein ganzer Staat, mit einer ganzen Werte- und Rechtsordnung verbindet, zu der ich gehöre, in die mein ganzes Leben eingefasst ist. Eine Rechtsordnung, die meinem Leben Sicherheit und Halt gibt.

 

 

Übertragen auf den Gedanken des Paulus müsste über einem himmlischen Personalausweis stehen: Bürger des Himmels.

Verbunden mit dem Versprechen: der Inhaber dieses Ausweises lebt und existiert nach den Rechtsordnungen des Himmels. Keine staatliche Ordnung der Erde kann ihm dieses Vorrecht streitig machen.

Denn ein großes Vorrecht ist es ja, unter diese himmlische Ordnung zu fallen. Besteht doch ein wesentliches Grundrecht des Himmels daran, dass kein Mensch vor Gott wegen seiner besonderen Leistungen oder Taten besonders angesehen ist. Dass es also bessere oder schlechtere Plätze, Orte im Himmel für jeden einzelnen gibt, je nachdem, was er in seinem Leben so geschafft und erreicht hat.

Sondern – wenn man Himmelsbürger ist, wird jeder Bürger genauso zuvorkommend und liebevoll behandelt wie alle anderen auch. Und wenn man den Himmel mit Orten auf der Erde vergleicht, zeichnet er sich beispielsweise dadurch aus, dass die Wohngegenden dort alle gleich gut und gleich schön sein werden.

Ohne soziale Brennpunkte, ohne Armenviertel, Professoren-Ghettos und Promi-Viertel. Sondern jeder hat dort seinen Platz, an dem weder er sich benachteiligt oder noch bevorzugt fühlen wird.

Ein schöner Gedanke auch, weil er mich unwillkürlich mit meinen Mitbürgern in Verbindung bringt. Sie kennen das vielleicht: da sind Sie in Italien, Spanien oder an der Algarve unterwegs und plötzlich steht auf der Straße vor ihrer Ferienwohnung noch ein Auto mit dem Kennzeichen „HK“. Vielleicht kommt der Besitzer aus Fallingbostel, sie habe keinerlei gemeinsame Bekannte und sie wären sich hier nie begegnet.

Aber dort in der Fremde bringt allein dieses Gefühl, die gemeinsame Heimat zu haben ein Gefühl von Verbundenheit, das ein bißchen heimelig und anrührend sein kann. Vielleicht sprechen Sie den Menschen, wenn Sie ihn denn sehen, sogar an.

Sie plaudern miteinander und freuen sich an dem Gefühl, dort in der Fremde jemanden getroffen zu haben, dem sie sich allein wegen der gemeinsamen Herkunft verbunden. Und wenn dieser besondere Mensch, wenn ich ihn anspreche, auch noch auf Plattdeutsch antworten kann, fühle ich mich wie zu Hause: Plattdeutsch in Portugal – was kann mir Größeres passieren?

Klingt lustig, macht aber deutlich, worum es geht: wer sich selbst als Himmelsbürger sieht, für den gibt es kaum etwas Schöneres, als immer wieder auf andere Himmelsbürger zu treffen. Von ihnen und ihrem Glauben zu hören. Etwas aus ihrem Leben zu erfahren, ihnen etwas aus dem eigenen Leben mitzuteilen.

Miteinander zu singen, zu beten, die Gemeinschaft zu genießen und dabei kein einziges Mal zu fragen: Was hast Du für einen Beruf? Wieviele Zimmer hat Dein Haus? Wie hoch ist Dein Gehalt? Was hast Du für einen Notendurchschnitt? Welche Liga spielt Deine Mannschaft?

Weil das nicht wichtig ist, wo Menschen von der Liebe Gottes leben und diese allen gleiche Liebe, ihr himmlisches Bürgerrecht wichtiger nehmen als alle irdischen Wertordnungen.

Die Konfirmanden wenigstens haben mir in dieser Woche genau diese Rückmeldung gegeben, als wir darüber gesprochen haben, was ihnen am Gottesdienst wichtig ist. Die größte Bedeutung hatte für sie, durch alle Gruppen hindurch, die Gemeinschaft. In die sie sich aufgenommen fühlen, in der sie sich offensichtlich wohlfühlen.

Eine zweite Sache, die an der himmlischen Staatsbürgerschaft wichtig ist, lässt sich besonders an dem neuen Personalausweis ablesen, den meine Frau schon hat. Vielleicht hat die eine oder andere von Ihnen auch schon so einen neuen Ausweis. Wenn man großzügig rechnet, besteht ein Viertel dieses Personalausweises aus dem Bild meiner Frau.

Ich habe ihr Bild dreimal entdeckt. Auf der Vorderseite beim ersten Hinsehen; dann dasselbe Bild als Hologramm nochmal in der Mitte der Vorderseite; und schließlich gibt es ein drittes, sehr kleines Bild auf der Rückseite.

Eine Beobachtung, die auch im Blick auf das himmlische Bürgerrecht von Bedeutung ist. Denn die Rede vom Bild des Menschen spielt schon am Anfang der Bibel eine wichtige Rolle.

Dort heißt es, Gott habe den Menschen nach seinem Angesicht, als sein Abbild geschaffen. Was soviel bedeutet wie: Jeder Mensch ist auf eine wissenschaftlich schwer zu ergründende, in göttlicher Logik unbestreitbare Weise ein Ebenbild Gottes.

In jedem Menschen, der es sehen mag, der es sehen kann, leuchtet unverkennbar die Herrlichkeit Gottes so deutlich auf, dass, wer genau hinguckt und es glaubt, sagen wird: „Sag mal, Du bist Du doch auch ein Kind Gottes. Ein Bürger des Himmels? Oder irre ich mich?“

„Sag mal, Du bist doch auch ein Kind Gottes …“ Stellen Sie sich nur mal vor, Sie würden jeden Morgen, wenn Sie vor dem Spiegel stehen, diesen Gedanken haben: „Hey, Du bist Du auch ein Kind Gottes.“

Anstatt zu denken: „Heute gehe ich wirklich früher ins Bett“, oder: „Du musst wirklich mal wieder zum Friseur“ oder: „Warum habe ich gerade ich diese undefinierbar blaugraubraunen Augen …“.

 

 

Denn, so wie all diese Gedanken über zerknittertes, verschlafenes, noch ungewaschenes Gesicht mich frustrieren können, genauso kann mich dieser Gedanke, dass ich Gott wie aus dem Gesicht geschnitten ähnlich, ein Kind des Himmesl zu sein, motivieren.

Denn mit dem theologischen Satz: Gott schuf den Menschen zu seinem Bild, zu seinem Abbild, erzählt die Bibel davon, dass selbst sich in jedem Menschen ein Stück verewigt und eingeschrieben hat. Und die ersten, die etwas von dieser himmlischen Herkunft und dem himmlischen Ziel unseres Lebens haben könnten, sind wir selbst.

Ich begegne immer mal wieder Menschen, die im Grunde ihrer Existenz total unzufrieden mit sich sind. Die immer sehen, was in ihrem Leben nicht so ist, wie bei anderen oder vielleicht nur in ihren Wunschträumen.

  • Wie gerne wäre sie sportlich und am besten so, dass man es ihnen ansieht – aber leider konnten sie noch nie einen Ball fangen und sind im Bodenturnen schon bei der Rolle vorwärts gescheitert.

  • Sie sitzen mit offenem Mund da, wenn jemand Klavier oder auch Orgel spielt, sie verstehen nicht, wie man beim Singen jeden Ton treffen können – und ärgern sich bis heute, dass sie in der zweiten Grundschulklassen aufgehört haben mit Blockflötespielen

 

 

  • Oder auch das gibt es – sie sehen ihren Mitschüler, den Klassensprecher von damals, der mittlerweile im Rat sitzt, Kassenwart in seinem Verein ist oder im Elternrat engagiert die Schule von morgen vordenkt.

Und das alles: die großen Sportler, die begnadeten Musiker, die Leitwölfe in den Gremien das sind sie alles nicht. Und denken sich im Vergleich mit den anderen kleiner und kleiner. Anstatt sich zu sagen: Du bist, so wie Du bist, ein Kind Gottes.

Und wer das nicht sieht, wer sich daran nicht freuen, darüber nicht staunen kann, der ist selbst schuld. An Dir, an mir, an Gott liegt es jedenfalls nicht. Der hat alles richtig gemacht, sonst wäre ich ja nicht sein Ebenbild.

  • Meine Herren, was könnte Dir das für Kraft und Sicherheit für Dein Leben geben, wenn Du Dich morgens für die Mitschüler oder die Kollegen stylst und dabei doch sagen kannst – schön, gut bin ich sowieso. Weil Gott mich so gemacht hat, wie ich bin. Sagt Ihr doch, was Ihr wollt.

  • Wie selbstbewußt könnte man in die Präsentation in der Firma gehen. So, wie Du sie vorbereitet hast, wie Du es kannst und für richtig hältst. Weil Du sagst: So, wie ich hier stehe, mit meinen Händen fuchteln, zwischendurch nach Worten suchen und dennoch meine Frau, meinen Mann stehen, so hat Gott mich gemeint.

 

 

Redet Ihr, liebe Kollegen, nur. Fragt nach und ringt mit meinen Ideen. Aber mich selbst pustet Ihr nicht um. Weil Gott hinter mir steht. Und wenn Ihr nur gucken würdet, könntet Ihr es sehen, an meinem Gesicht. Wohin ich gehöre. Zu wem ich gehöre.

  • Wie entspannt könnten wir die verpassten Chancen im Leben sehen. Denn unter jeder verpassten Chance im Leben eines Gotteskindes steht doch der Satz: „Gott hat etwas anderes, Besseres mit Dir vor. Dein Weg, Deine Bestimmung ist eine andere, die viel mehr zu Dir passt. Die Dir so auf den Leib geschneidert ist, wie es Dir ins Gesicht geschrieben steht, dass Du zu ihm, zu Gott selbst gehörst.“

Denken Sie ruhig morgen daran, vor Ihrem Spiegel, und wenn Sie mögen, begrüßen Sie sich ruhig so: „Guten Morgen, Du siehst ja auch aus wie ein Kind Gottes.“ Ich vermute, es könnte Sie durch den Tag stärken und begleiten.

All denen, die das nicht glauben können oder mögen, biete ich einen letzten Blick auf den Personalausweis und sein Vorbild für das himmlische Bürgerrecht an. Auf der Rückseite des neuen Personalausweises steht ganz unten in der Ecke als letztes der Absatz: Autorität im Sinne von ausstellende Behörde.

Da ist eingeprägt, welches Amt im Namen der Bundesrepublik Deutschland für die Richtigkeit dieses Ausweises und damit für die Rechtmäßigkeit der Bürgerrechte dessen steht, der diesen Ausweis mit sich herumträgt.

Ohne diesen Eindruck, im alten Ausweis ohne das Siegel der zuständigen Behörde, ist der Personalausweis ungültig. Mit ihm steht sein Inhaber unter dem Schutzschirm des deutschen Staats.

An dieser Stelle steht in den Ausweisen, die für die himmlischen Bürgerrechte wichtig ist, ein ganzer Satz. Und der lautet so: Bestätigt und besiegelt: Jesus Christus, Sohn des ewigen Gottes, durch meinen Tod am Kreuz und meine Auferstehung am Ostermorgen.

Wenn Du Dich fragst, woher kann ich wissen, dass auch ich so ein Himmelsbürger sein kann und werde? Woher kann ich wissen, dass ich genauso wichtig und bedeutsam bin wie all die anderen auch? Wer gibt mir die Gewißheit, dass ich ein Abbild Gottes, trotz meiner verwirbelten Haare, der 4- in Englisch und der Trennung von meinem Ehepartner bin und bleibe?

Dann kannst Du auf das Kreuz gucken – da unten steht es – und kannst Dir sagen: Genau an mich hat Jesus gedacht, als er am Kreuze sagte „Es ist vollbracht …“. Und während ich selbst noch grüble und unsicher bin, ob ich wirklich mit diesem himmlischen Bürgerrecht leben und eines Tages sterben kann, sieht er mich an und sagt: Natürlich kannst Du. Und - etwas Besseres kann Dir nicht passieren.

 

Dein irdischer Personalausweis ist doch nur ein Stück Papier. Ich aber schenke Dir das ewige Leben. Nimm Dein Stück Plastik in der Hand nicht ernster als nötig. Und vertrau Deinen Rechten als Himmelsbürger. Schon jetzt. Und eines Tages dann erst recht. Amen.

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Pastor Cordes